DENK UM! MACH MIT!

Curatorial Work

DENK UM! MACH MIT!
22. APRIL – 02. JUNI 2018

Die Künstler*innen der Ausstellung arbeiten partizipatorisch und werden die Räume für die Laufzeit der Ausstellung in ein temporäres Atelier verwandeln. Die Besucher*innen werden zu Künstler*innen und aktiv in die Entstehungsprozesse der Werke mit eingebunden. Zu den Öffnungszeiten der Galerie werden die Künstler*innen vor Ort arbeiten und verschiedene Workshops für Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene anbieten. Im Mittelpunkt des Ausstellungsprojektes stehen Kommunikation, Teamarbeit und interkultureller Austausch.
Das Konzept der Ausstellung sowie einige der gezeigten Arbeiten sind im Projektkolloquium Intervenieren und Experimentieren im öffentlichen und sozialen Raum am Institut für Kunst im Kontext der Universität der Künste Berlin in Kooperation mit der Galerie entwickelt worden.

WORKSHOPS:

Familie Lehmann: Eine Fluchtgeschichte – Holzschnitt und Kartographie

Familie Lehmann wohnte und arbeitete über 20 Jahre in der Bürgermeisterstraße 7 gegenüber der GALERIE BERNAU. Am Morgen des 13. April 1942 wurden Margarete, Willy, Renate und Helga Lehmann zusammen mit neun anderen jüdischen Bernauer*innen nach Warschau deportiert. Die Familie konnte aus dem Warschauer Ghetto fliehen und fand drei Jahre später, nach einer Flucht voller Umwege, zurück in die alte Bernauer Heimat. Über Familie Lehmann ist wenig bekannt. Juan Camilo Alfonso Angulo wird sich mit seinen Workshopteilnehmer*innen auf Spurensuche begeben. Die Fluchtgeschichte der Lehmanns soll in Holzschnitten, von denen jede/r Teilnehmer*in einen anfertigt, erzählt werden, sodass alle Bilder zum Ende der Ausstellung zu einem großen Gesamtkunstwerk – einer Karte – vereint werden können.

Juan Camilo Alfonso Angulo, geboren 1987 in Bogota, Kolumbien, hat freie Kunst an der Universidad de los Andres in Bogota studiert und ist nun Student im Masterprogramm Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Ein Leberfleck, eine Geschichte – Die Kunst des Miàn Xiāng und Portraitmalerei

Unser Gesicht verrät viel über uns!  Miàn Xiāng (面相) ist eine taoistische Wahrsagerei und basiert auf dem Lesen des Gesichts und seiner Merkmale. 99 Punkte geben Auskunft über den Charakter einer Person, aber auch über seine Vergangenheit und Zukunft. Ling Yu He wird in ihren Workshop in die chinesische Physiognomie einführen und mit den Teilnehmer*innen über ihre persönlichen Biografien sprechen um ausgehend von diesen Informationen ganz persönliche Portraits anzufertigen. Wie die italienischen Maler der Renaissance möchte auch Ling Yu He den Porträts die Bedeutung eines Charakterbildes geben und mit der Methode des Miàn Xiāng das ganze Wesen der/s Dargestellten in der Malerei verkörpern.

Ling Yu He, geboren 1987 in Taiwan, hat Druckkunst und Pädagogik an der Taipei Municipal University of Education studiert und ist nun Studentin im Masterprogramm Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Recyclinge – Buchbinderei und Schreibwerkstatt

Bleistift, Papier und Bücher sind das Schießpulver des Geistes. Davon war nicht nur Medienwissenschaftler Neil Postman überzeugt, sondern auch der Bernauer Stephan Schmidt und lädt ein sich gemeinsam mit ihm dem geschriebenen Wort zu widmen. Bereits 2015 entwickelte er im Rahmen des „Kontextlabor Bernau“ mit Teilnehmer*innen Geschichten, die sich mit der Stadt auseinandersetzten. Darüber hinaus haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit aus Recyclingmaterialen ihr ganz eigenes Künstler*innenbuch zu binden.

Stephan Schmidt, geboren 1986 in Bernau bei Berlin, ist Mitbegründer des Künstlerkollektivs „OBEN“ im Alten Kaiserlichen Potsdam Bernau. Er lebt und arbeitet in Bernau bei Berlin.

Schreibkultur – Chinesische Kalligrafie und Tuschemalerei

Die chinesischen Schriftzeichen sind das älteste und seit jeher verwendetet Schriftsystem der Welt. Die Schrift kann bis zur Shang-Dynastie (1600–1046 v. Chr.) zurückverfolgt werden. Seitdem hat sich die chinesische Kalligrafie – das Schreiben der Zeichen – zu einer Kunstform entwickelt. Jiaying Wu, die sich seit ihrem sechsten Lebensjahr dieser Kunst widmet, wird in die chinesische Kalligrafie, seine Werkzeuge und Techniken einführen sowie in die chinesische Tuschemalerei. Im Gegensatz zur Kalligrafie geht es bei der Tuschemalerei nicht in erster Linie um die Erzeugung von Schriftzeichen, sondern um die stimmungsvolle und reduzierte Darstellung von Natur- und Landschaftsmotiven.

Jiaying Wu, geboren 1986 in China, hat Visuelle Kommunikation an der Zhejiang University studiert und ist nun Studentin im Masterprogramm Kunst im Kontext an der Universität der Künste Berlin. Sie lebt und arbeitet in Berlin.